
(v.l.): Andreas Grisar, MIT-Kreisvorsitzender Osnabrück Stadt,
Bürgermeister Burkhard Jasper, Landrat Michael Lübbersmann,
Hans-Dieter Klahsen, MIT-Kreisvorsitzender Osnabrück-Stadt,
Dr. Mathias Middelberg MdB und Eckart von Klaeden Staatsminister
220 Teilnehmer – also ein volles Haus im Hotel Steigenberger Remarque – beim diesjährigen MIT Neujahrsempfang der Kreisverbände Osnabrück-Stadt und Land. Hauptredner war der Staatsminister im Bundeskanzleramt Eckart von Klaeden MdB. Herr von Klaeden befasste sich mit der Situation in Europa, stellte aber fest, dass es sich nicht um eine Euro-Krise, sondern vielmehr um eine Staatsschulden- und Wettbewerbskrise handle. Ursachen seien die fehlende gemeinsame Wirtschaft- und Finanzpolitik, die Verletzung der Stabilitätskultur und der Missbrauch des Zinsvorteiles für Konsum. Zu Christian Wulff sagte Herr von Klaeden „Wir, die wir ihn kennen, wissen, welch großartiger Politiker und Staatsmann der Bundespräsident ist“.
Dr. Mathias Middelberg, MdB, wies in seinem Grußwort auf die vielen Verdienste hin, die Christian Wulff als Ministerpräsident für die Region geleistet habe. Sei es die Rettung der jetzt mittlerweile ca, 2.000 neuen Arbeitsplätze im jetzigen Volkswagen Werk Osnabrück, der Osnabrücker Zoo und vieles mehr.
Der Kreisvorsitzende der MIT Osnabrück-Stadt, H.-Dieter Klahsen, der auch Bezirksvorsitzender der MIT Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist, führte in seiner Rede aus:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mittelständler,
wenn ich auf das Jahr 2011 zurück blicke, kann ich nur feststellen, alle Schwarzmaler haben Unrecht gehabt. Wir hatten ein erfolgreiches Jahr.
Der Mittelstand war, ist und bleibt das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Das so oft benutze Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus 2 Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.
Der Mittelstand, die wirtschaftliche Kraft in unserer Region, ist sich der Gefahr bewusst gewesen, hat verantwortungsvoll gehandelt und die Gelegenheit genutzt.
Nicht Hadern sondern zupacken ist unsere Devise.
Selbst der Volkswagen-Konzern hat die Stärken unserer Region erkannt und in den neuen Standort Osnabrück investiert. Das ist ein gutes Zeichen für unsere mittelständische Region.
Die Arbeitslosenzahlen sind so weit gesunken, dass wir nahezu von Vollbeschäftigung sprechen können. Wer hätte das geglaubt?
Und wir steuern jetzt offensichtlich auf einen Fachkräftemangel zu. Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam lösen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
über die Hälfte der regionalen Betriebe hat Probleme, qualifizierte Fach- und Führungskräfte für die offenen Stellen zu finden, gleichwohl darf sich dieser Fachkräftemangel nicht zur Wachstumsbremse entwickeln.
Unternehmen, Hochschulen, Kommunen und IHK wie HWK und KH müssen dieses Problem gemeinsam angehen. Wir müssen die Aus- und Weiterbildung und ebenso den Hochschulstandort Osnabrück stärken und die hohe Wohn- und Lebensqualität intensiver nach außen kommunizieren, um die Menschen für unsere schöne Region zu begeistern.
Nur durch eine berufsbegleitende Fortbildung ist es möglich, dass die Mitarbeiter ihren Horizont erweitern, ohne dabei den eigenen Arbeitsbereich verlassen zu müssen.
Wir müssen auch dafür sorgen, dass unsere älteren Arbeitskräfte und Spezialisten sich hier wohlfühlen und in der Region bleiben. Wichtig ist auch die Forcierung intelligenter Modelle zur Einbindung von Frauen in den Arbeitsprozess.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte vom Staat und von den Unternehmen stärker als bisher als Chance und nicht als Belastung erkannt und umgesetzt werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
in unserem Lande vollzieht sich ein demografischer Wandel, der das Verhältnis von Jung zu Alt in den kommenden Jahren dramatisch verschieben und damit maßgeblichen Einfluss auf die Arbeitswelt aus üben wird. Hier müssen wir neue Wege aufzeigen.
Es ist daher zwingend notwendig, differenzierte Altersbilder zu entwickeln und in der Gesellschaft zu etablieren.
Jedes mittelständische Unternehmen weiß die Lebenserfahrung und die Zuverlässigkeit seiner älteren Beschäftigten zu schätzen. Der unternehmerische Vorteil der Beschäftigung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer liegt in deren Zuverlässigkeit und Lebenserfahrung.
Nur ein Miteinander von Alt und Jung kann einen beiderseitigen Wissenstransfer fördern.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die MIT bekennt sich klar und deutlich zur sozialen Marktwirtschaft und zur Sicherung des Eigentums.
Wir sollten jedoch nicht vergessen – in der sozialen Marktwirtschaft lebt der Staat von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann.
In seiner Macht liegt es allerdings, durch eine wirtschaftsfreundliche Rahmenordnung unternehmerische Tätigkeiten zu ermöglichen und zu fördern.
Hierzu gehören u. a. weitere Anstrengungen zum Bürokratieabbau, die Vergabe öffentlicher Aufträge in mittelstandsrelevanten Losen und anschließend, bei der Vergabe die regionalen Unternehmen vorrangig zu berücksichtigen.
Wir engagieren uns für ein sozial gerechtes Steuersystem, bei dem sich Leistung lohnt.
Ebenso treten wir für eine Abschaffung der kalten Progression ein, die bereits mittlere Einkommen über Gebühr belastet.
Wir bekennen uns zur unternehmerischen Verantwortung. Und wir wollen bürokratischen Wildwuchs wie beispielsweise unsinnige Steuervorschriften bekämpfen.
Positive Zeichen sind seit dem 01. Januar 2012 in Kraft getreten.
Erstmals gibt es den Mindestlohn für Zeitarbeiter gleichwohl muss eine klare Absage an einen politischen Mindestlohn erteilt werden.
Künftige Lösungen sollten differenziert nach Branchen, Tätigkeiten und Regionen von den jeweiligen Tarifpartnern in Eigenverantwortung getroffen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld, drei Jahre später, am 1. Januar 2002, erstmals als Bargeld eingeführt. Damit löste er die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab. Der Euro ist jetzt 10 Jahre alt. Bei der derzeitigen Situation sieht jedoch keiner einen Grund zum Feiern. Gleichwohl – der Euro hat sich bewährt. Und ich denke, dazu werden wir heute noch mehr hören.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Warum hat die Politik hat auch 2011 weiter an Glaubwürdigkeit verloren?
Nicht die Lösung zählt - sondern der Hinweis auf die vermeintlichen Fehler der anderen.
Nur negative Meldungen werden verbreitet und auch nur diese scheinen interessant zu sein.
Warum nicht Positives berichten? Wo bleibt da die Freude an Erfolgen?
Wie gute Nachrichten über gesunkene Arbeitslosenzahlen, Berichte wie erfolgreich wir gemeinsam handeln. Was wir gemeinsam in der Zukunft bewegen können.
Ich frage Sie: Wollen oder können wir uns über nichts mehr freuen?
Und meine Antwort darauf ist einfach: Gott gebe allen, die uns kennen, zehnmal mehr, als wir uns gönnen! Vielleicht sollten wir es mal mit kleinen Schritten versuchen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sollten bei allem was geschehen ist und wohl auch noch geschehen wird – bitte ich eines nicht zu vergessen:
Politiker sind Menschen wie Sie und ich – sie sind nicht bessere Menschen – und auch Ihnen steht es zu, Fehler zu machen.
Ein hohes Gut - die Privatsphäre – muss dabei stets geachtet werden.
Politiker sollten aber – besonders bei den in sie gestellten Erwartungen oder auch von ihnen selbst gesetzten Maßstäben, bessere Vorbilder sein und nicht vergessen, welche Rolle sie inne habe und wofür sie von uns gewählt wurden.
Politik – egal auf welcher Ebene – ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Politik muss auch Rückgrat beweisen – und nach getroffenen Entscheidungen auch den einen oder anderen Protest durchstehen.
Erteilte Zusagen und Genehmigungen müssen verbindlich sein. Nur das schafft Vertrauen und die notwendige Sicherheit für langfristige Planungen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
kommen wir zum Schluss zu der seit Wochen laufenden Berichterstattung zum Bundespräsidenten. Mal ehrlich, glaubt denn noch einer, dass es nur um Wahrheit, Anstand oder gar lupenreine Aufklärung geht?
Bei allem was bisher geschehen ist, sollte uns aber eines klar sein! Jedem potentiellen Nachfolger für das Amt des Bundespräsidenten oder ein anderes hohes Amt in unserem Staate muss angesichts dieser Debatte und der damit verbundenen Art und Weise die Lust auf das Amt vergehen.
Es reicht! Kommen wir bitte endlich zur Tagesordnung zurück.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich jetzt auf das Grußwort von Dr. Mathias Middelberg, unserem Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU Bundestagsfraktion und die anschließende Neujahrsansprache von Herrn Eckart von Klaeden, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin.
Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir vertrauensvoll und ehrlich miteinander umgehen.
Uns Zeit nehmen, dem anderen zu zuhören und Verständnis für seine Wünsche und Forderungen aufbringen.
Wenn uns das gelingt, bin ich mir sehr sicher, können wir gemeinsam alle Herausforderungen in der Zukunft meistern.
Ihnen allen wünsche ich von ganzem Herzen vor allem Gesundheit und ein erfolgreiches Jahr 2012.


