
vlnr: Andreas Sobotta – Hauptgeschäftsführer MIT Niedersachsen, H-Dieter Klahsen – MIT-Bezirksvorsitzender Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Louis-Ferdinand Schwarz MIT-Dissen, Dr. Josef Schlarmann – MIT-Bundesvorsitzender, Werner Lübbe – MIT-Landesvorsitzender Niedersachsen.
Dr. Josef Schlarmann referiert auf Einladung der Mittelstands- und Mittelstandsvereinigung in Dissen am 04. April 2012
Nach Auffassung von Josef Schlarmann, Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT), gibt es keine lebensfähige Alternative zur geltenden sozialen Marktwirtschaft. Bei seinem Besuch in Dissen nahm der MIT-Bundesvorsitzende zu Themen wie der Schlecker-Insolvenz, Bildung und Betriebsgründung sowie Kapitalismuskritik.
Bei seiner Visite im Südkreis fand Schlarmann deutliche Worte für Fragen aus dem aktuellen wirtschaftspolitischen Raum. So hält er die von der Politik abgelehnte Bildung einer Transfergesellschaft für die Vermittlung der durch die Schlecker-Pleite arbeitslos gewordenen Mitarbeiterinnen für „richtig, weil nicht nötig“. Der Arbeitsmarkt verfüge über ausreichend freie Stellen für die betroffene Berufsgruppe, zudem existiere im Land eine funktionierende Arbeitsvermittlung. Was von den „Schlecker-Frauen“ jetzt mitgebracht werden müsse, sei Flexibilität und Mobilität. Letztlich, so seine Meinung, helfe die besonders von den Gewerkschaften geforderte Transfergesellschaft „nur den Mitarbeitern, die bei ihr angestellt sind“.
Der Gast aus Berlin weilte auf Einladung der örtlichen Mittelstandsvereinigung und Louis-Ferdinand Schwarz in Dissen. Auf dem Programm standen Besuche bei der Firma Homan, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Martin Thörner, sowie im Rathaus, wo er ein Gespräch mit Bürgermeister Hartmut Nümann führte. Thema unter anderem war die Integrationsproblematik. Er habe erfahren, dass es in der Stadt überproportional viele Betriebe gebe. „Ich war bisher davon ausgegangen, Integration erfolgt am besten über Arbeitsplätze, doch das reicht offensichtlich nicht aus.“
Während eines Pressegesprächs nannte Schlarmann die Zahl von 4,4 Millionen Selbstständigen in Deutschland, davon haben 3,4 Millionen einen eigenen Betrieb gegründet. Von diesen sind 95 Prozent Familienunternehmen, die 57 Prozent der gesamten Arbeitsplätze stellen. Ohne diesen Mittelstand sei ein Wirtschaftsleben im Land nicht vorstellbar. „Hervorzuheben ist, dass Bildung nicht unbedingt die ausschlaggebende Voraussetzung für eine Betriebsgründung ist“, erklärte er. Für den unternehmerischen Erfolg seien Leistungs- und Risikobereitschaft gravierende Faktoren.
Am Abend nahm er während eines Vortrags Stellung zur anhaltenden Kapitalismuskritik. Diese sei während der Finanzkrise laut geworden, ohne jedoch eine wirkliche Alternative aufzeigen zu können. Modelle wie die Planwirtschaft haben sich als erfolglos erwiesen, „selbst China ist davon abgerückt und hat die Marktwirtschaft eingeführt“. Allerdings sei diese Wirtschaftsform nicht mehr in ihrer klassischen Form ausführbar, weshalb „Systemkritik durchaus erwünscht ist, um auf Verbesserungen hinzuarbeiten“.
Bericht aus der NOZ – Foto: Horst Troiza


